Das iberische Pferd

Die Pferde der iberischen Halbinsel wurden schon zu Reitzwecken verwendet, als es unsere modernen Warmblutrassen noch gar nicht gab. Dies belegen über 15.000 Jahre alte Höhlenzeichnungen aus Escoural in Portugal.

Sie zeigen bereits einen Pferdetyp, der den heutigen iberischen Rassen entspricht: Ein kräftiges Quadratpferd mit starker Hinterhand, schlanken Gliedmassen, einem mächtigen gut aufgesetzten Hals und edlem, mitunter leicht ramsnasigem Kopf. Dieser Körperbau befähigt das Pferd in hohem Masse zur Versammlung und zu kadenzierten Gängen mit beachtlicher Knieaktion - im Gegensatz zum modernen Sportpferd im Rechteckformat, das vor allem auf Verlängerung der Tritte gezüchtet wurde.

Pferde iberischer Prägung vereinen alle positiven Komponenten in sich: ausgeglichener Charakter, sehr geduldig und ausdauernd, dabei trotzdem spritzig und feinfühlig, auf kleinste Hilfen reagierend.

Ausbildung 1 Wenn man ihnen die Möglichkeit gibt, versuchen sie, einen zu verstehen und arbeiten fleissig mit, sie sind unglaublich trittsicher auch in schwierigem steinigen und steilen Gelände, sie sind sehr nervenstark im Strassenverkehr, sie sind nicht zu gross (1,50m-1,65 m), aber auch gross genug, um ausgewachsene Reiter über lange Strecken zu tragen, sind wohlproportioniert mit einem nicht zu langen Rücken und schönen runden Formen, haben meist sehr weiche Gänge und gehen fleissig vorwärts, ohne viel Treiberei.

Bei dem iberischen Pferd handelt es sich um eine uralte Rasse. Aus stammesgeschichtlicher Sicht scheint klar zu sein, dass das iberische Pferd vom Prewalskipferd abstammt; einem Pferd mit subkonvexem Profil, eine Folge der Kreuzung dem mongolischen Pferdes (konvexes Profil) und des Tarpan (gerades Profil).

Es bestehen verschiedene Theorien über die Wege, auf denen die Pferde auf die iberische Halbinsel gelangten (afrikanische Route, europäische Route), sowie über den Zeitpunkt des Auftretens (Paläolithikum: Altsteinzeit, Postneolithikum: Neusteinzeit). Die Geschichte Spaniens ist in hohem Masse die Geschichte seines bodenständigen Pferdes. Wann auch immer das iberische Pferd zum ersten Mal aufgetreten sein mag, ob im Paläolithikum oder im Neolithikum, gewiss ist, dass es sich im Dunkel der Vorzeit verliert.

Ausbildung 2 Kladruber und Lippizaner in Österreich, Fredericksborger in Dänemark und der Neopolitaner in Italien sind aus iberischen Hengsten und Stuten hervorgegangen.

Ausserdem ist der Iberer beteiligt an der langwierigen genetischen Entstehung des Englischen Vollblutpferdes über die "Royal Mares", die nach den Verzeichnissen des Herzogs von Newcastle in Spanien erworben worden waren.

Die barocke Reiterei wird heute dominiert von den Rassen Lusitano - die Pferde Portugals - und P.R.E. Letzteres steht für "Pura Raza Espanola", also Pferde "reiner spanischer Rasse". Landläufig spricht man zwar oft von Andalusiern, aber P.R.E. ist der offizielle Name, den nur von der staatlichen spanischen Zuchtkommission anerkannte Pferde mit Papieren führen dürfen.

Während Lusitano- und P.R.E.-Hengste sich besonders für die Alta Escuela eignen, setzt man in der Doma Vaquera bevorzugt Hispanos ein - eine Kreuzung aus spanischen Pferden mit arabischem und englischem Vollblut.

Ausbildung 2 Das iberische Pferd ist stolz, mutig und edel, so klug bei der Ausbildung, dass es bei Schulreitern das beliebteste ist und so sanft und fein, dass auch ein älterer Mensch oder ein Kind in der Lage sind, es ohne Schwierigkeiten zu reiten. Dieses Pferd stellt für uns ein genetisch uraltes, historisch und kulturell unerlässliches Reservoir dar.